Salz in der Wunde der Erkenntnis

Neuer Versuchsaufbau beweist: In den Faszien sitzt der Muskelkater

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Letzte Woche präsentierten wir Ihnen den ersten Auszug aus dem hochinteressanten Buch „Faszien Fitness“, der sich explizit mit dem Thema Muskelkater beschäftigt.

Heute gibt es die Fortsetzung. Was haben wir bisher erfahren? Skandinavische Anatome führten bei Probanden gezielt Muskelkater herbei und fanden wirklich Veränderungen in den Muskelfasern. Doch dann kam eine neue Erkenntnis hinzu:

„Das Fasziengewebe außerhalb des Muskels ist noch stärker betroffen. Das zeigen neue Studien: Es sind die Faszienhüllen des Muskels, also die Epimysien, die offensichtlich der Hauptursprung des Schmerzempfindens beim Muskelkater sind.
Die Geschichte dieser Entdeckung begann, als Robert Schleip 2007 während eines Kongresses mit einigen Schmerz- und Muskelforschern zusammen auf dem Podium saß. Sie diskutierten die geplante Studie zur Erforschung des Muskelkaters: Sie wollten Salzlösung in Muskeln von Probanden mit Muskelkater einbringen, um zu testen, wo genau der Schmerz beim Muskelkater entsteht.

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Der Test mit der Salzlösung ist ein anerkanntes Verfahren in der Schmerzforschung: Bei Wunden und Entzündungen verstärkt die Salzlösung den Schmerz vor Ort und weist daher den Weg dorthin, wo er entsteht und seine Ursache hat.
Nachdem die Wichtigkeit der Rolle der Faszien erkannt wurde, änderte Thomas Graven-Nielsen, ein dänischer Schmerzforscher, kurzerhand den Versuchsaufbau:
Wie bei dem klassischen Versuch mit dem Stuhl erzeugten er und sein Kollege William Gibson, ein australischer Physiotherapeut, Muskelkater bei einer Gruppe von Probanden. Dann aber spritzten sie die Salzlösung nur bei einem Teil der Probanden mit Muskelkater tief in das Muskelgewebe ein.
Beim anderen Teil spritzten sie die Salzlösung oberhalb des Muskels in die Faszie des Oberschenkels – das war vorher nicht vorgesehen. Die Ergebnisse waren eindeutig:
Die Probanden, die die Salzlösung in die Faszie erhalten hatten, empfanden deutlich mehr Druckschmerz und Bewegungsschmerz– also ein stärkeres Muskelkatergefühl. Die Versuchspersonen konnten dabei allerdings gar nicht unterscheiden, ob ihr Schmerz aus dem roten Muskelgewebe oder aus den Faszien stammte – ihnen tat einfach „der Muskel weh“.
Aber die Forscher hatten die schmerzverstärkende Salzlösung an verschiedene Stellen gespritzt, um zwischen Muskel und Faszie unterscheiden zu können. Nun war der Fall klar.“

Erfahren Sie im dritten Teil des Schmerzblogs zum Thema Muskelkater nächste Woche, wie sich die Erkenntnis, dass überwiegend die Faszien für das Schmerzempfinden beim Muskelkater verantwortlich sind, auf die Forschung und Medizin auswirkte.

Unser Buchtipp zur Artikelreihe „Muskelkater“:

Faszien Fitness
ISBN: 978-3868834833
Robert Schleip und Johanna Bayer


Ihr Hubert Brüderlein

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