Unscheinbarer Überflieger

Die durchschnittliche Fichte ist ein evolutionärer Gewinner

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Liebe Leserinnen und Leser,

was macht uns glücklich? Was hält uns gesund? Letzte Woche erzählte ich von der Permakultur Sepp Holzers, die unglaubliche Ergebnisse in der Berglandwirtschaft hervorbringt.

Eines meiner Lieblingsbeispiele für gesunde Inspiration ist der Wald respektive der Baum.

Zu diesem Thema ist für mich Erwin Thoma aus Österreich ein großes Vorbild. In einem seiner Bücher stellt er die Frage: Welcher Baum ist im Sinne menschlichen Erfolgsdenkens der erfolgreichste? Welche Strategie im Wald führt von Natur aus zum größten Verbreitungsgebiet, also zur größten Bedeutung zum größten Marktanteil im Verständnis moderner Ökonomie? Wir haben bereits gesehen, dass sich jeder Baum einer eigenen Strategie bedient. Er benutzt bestimmte Fähigkeiten, um bestimmte Gebiete zu besiedeln.

Am größten zusammenhängenden Festland der Erde, von der Pazifikküste vor Japan durch die endlosen Weiten Sibiriens bis an die Atlantikküste Europas, ist die Fichte die, die es geschafft hat, das meiste Land zu besiedeln. Von Natur aus hat sie das getan. Die von Menschenhand in Mitteleuropa gepflanzten Fichtenwälder können dabei getrost vernachlässigt werden.

Wenn wir die Fichte analysieren, dann werden wir überrascht. Die Fragestellung lautet, was kann die Fichte besser als die anderen Bäume, die ebenfalls nach möglichst großem Siedlungsraum für ihre Baumart streben?

Das Wurzelwerk kann es nicht sein. Menschlich betrachtet, ist die Fichte hier eher ein Weichei. Sie ist ein ausgeprägter Flachwurzler und überlässt alle tieferen Erdregionen bereitwillig ihren Nachbarn. Bei Unwetter, Stürmen und großen Belastungen ist sie daher auch auf den Halt und Schutz durch Tiefwurzler in ihrer Nachbarschaft angewiesen.

Dieselben Nachbarn, denen sie vorher freundlich die tiefen Erdschichten überlassen hat, sind es auch, die jetzt die Fichte stützen.

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Auch die Krone ist schmal und zurückhaltend. In der Kronenkonkurrenz erscheint sie im Vergleich zu vielen mächtigen Baumgestalten der Wälder ebenfalls nachgiebig und mittelmäßig. Auch hier wird eine Einladung an ihre Mitbewerber ausgedrückt.

Neben der schmalkronigen Fichte können sich andere viel leichter ansiedeln als neben mächtigen, dominanten Baumgestalten. Mit dieser Eigenschaft, nachgiebig und mittelmäßig, kann ebenso der Stamm beschrieben werden. Das Holz ist eher weich, leicht und elastisch. Keine Spur von der Härte der Eiche, der größeren Druckfestigkeit der Kiefer, der extremen Biegsamkeit der Esche.

Alles wirkt durchschnittlich und fein zurückhaltend an dem Baum. Wie kann ausgerechnet die Fichte den Wettlauf um die Vorherrschaft im Wald gewinnen? Das lesen Sie im nächsten Blog!

Ihr Hubert Brüderlein

Grafikquelle: © Stefano Lunardi, © Günter Menz

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