Dem Nerv den Druck nehmen

Karpaltunnelsyndrom 03: So oft wie möglich auf Neutralposition achten

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Liebe Leserinnen und Leser,

wenn nachts die Finger teilweise taub werden, kann es sich um das sogenannte Karpaltunnelsyndrom handeln. Taubheitsgefühle in den Extremitäten sollte man auf jeden Fall vom Arzt abklären lassen. Wie das Karpaltunnelsyndrom entsteht und wer Betroffen sein kann, habe ich in den letzten beiden Blogfolgen erklärt. Diesmal geht es um die Diagnose und die Therapie.

Diagnose

Zunächst fragt die Ärztin oder der Arzt nach den Beschwerden und untersucht die Hand und Handgelenke. Es wird mit bestimmten Tests die Beweglichkeit und die Kraft getestet, ebenso ob Gefühlsstörungen oder Missempfindungen vorliegen. Es gibt Studien, die zeigen, dass elektrodiagnostische Untersuchungen signifikant falsch-positive (wenn eine Messung eine Pathologie anzeigt, die nicht wirklich vorhanden ist) und falsch-negative (wenn eine Messung eine wirklich vorhandene Pathologie nicht anzeigt) Ergebnisse bringen.

Deshalb bleiben manuelle Provokationstests bei der Diagnose des Karpaltunnelsyndroms sehr wichtig. Bei einer Studie wurden unterschiedliche Untersuchungen durchgeführt, wobei die erwähnte EMGMessung zum Einsatz kamen. Nach diesen EMG-Messungen zeigten 99 Hände einen positiven, 27 Hände einen negativenBefund. Bei der dritten Gruppe wurden keine EMG Tests (101 Hände) gemacht. Es wurde bei allen drei Gruppen eine offene Karpaltunneloperation durchgeführt. Es gab keinen Unterschied der Ergebnisse (Behandlungserfolg nach Operation) bei Patienten mit sowohl positiven, negativen, als auch ohne elektrodiagnostische Tests.

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Nach der Anamnese sind die Provokationstests sehr aussagekräftig. Die üblichen Provokationstests sind einmal der Tinel-Perkussionstest, der Phalen-Flexionstest und der karpale Kompressionstest. In Untersuchungen hat sich der karpale Kompressionstest als Provokationstest für den Nervus Medianus am zuverlässigsten bewährt.

Behandlung

Konservativ: hier werden Behandlungen zur Schmerzlinderung von Iontophoresen, Handgelenksschienen, orale Medikationen, Ultraschallbehandlungen bis hin zu lokalen Infiltrationen von Sehnenscheiden eingesetzt. Ich habe mit neuralen Mobilisationen, Osteopressur, Engpassdehnungen und manuellen Mobilisationen im Bereich der Brustwirbelsäule (Beeinflussung des sympathischen Nervensystems) sehr gute Erfahrungen gemacht.

Patientenberatung ist sehr wichtig. Patienten sollten wissen, durch welche Aktionen im Alltag der Druck im Karpaltunnel steigt beziehungsweise, wann er sinkt.

Wann ist der Druck im Karpaltunnel erhöht?

  1. Wenn die Handposition in maximaler Beugung und maximaler Streckung gehalten wird.
  2. Wenn das Handgelenk maximal Richtung Daumen oder auch Richtung Kleinfinger abgespreizt (Radialabduktion/Ulnarabduktion) wird.
  3. Bei Belastung der Fingerspitzen
  4. Beim Faustschluss
  5. Beim Halten von Gegenständen
  6. Bei Daueraktivität der Hand und des Handgelenkes
  7. Wenn der Unterarm maximal gedreht ist in Supination (Handfläche zeigt Richtung Decke)oder in maximaler Pronation (Handfläche zeigt RichtungBoden).

Wann ist der Druck im Karpaltunnel niedrig?

Die Handgelenke sollten während der beruflichen und nicht beruflich Aktivitäten in einer neutralen Position gehalten werden. Neutrale Position für den Unterarm bedeutet, der Daumen zeigt Richtung Decke. Die Hand sollte leicht gebeugt, bzw. leicht gestreckt sein.

Aus meiner Erfahrung heraus, können diese Maßnahmen spontan kurzfristig sehr gut helfen, jedoch sollte das Niveau der Bewegungsqualität verbessert werden. Hierfür gibt es bestimmte Schmerzfrei-Übungen. Wichtig ist es, nicht nur die Muskulatur und die Faszien des Unterarmes bei diesen Übungen zu trainieren. Um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen, ist hier die ganze obere Extremität einschließlich der Schulter-, Nacken- und Kaumuskulatur zu berücksichtigen.

Wenn die konservativen Maßnahmen nicht mehr greifen, bleibt der Weg der Operation. Hier muss von ärztlicher Seite entschieden werden, ob eine endoskopische oder offene Operation gewählt wird.

Bleiben Sie gesund und neugierig!

Ihr Hubert Brüderlein

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