Teufelskreis einseitige Bewegung

Karpaltunnelsyndrom 02: Wiederholte Extrembelastungen reizen den Nerv

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Liebe Leserinnen und Leser,

im Blog von letzter Woche haben wir uns mit der Entstehung des Karpaltunnelsyndroms beschäftigt. Heute gehe ich näher auf einzelne Symptomatiken ein. Bei Sportlern ist die häufigste Ursache des Karpaltunnelsyndroms eine chronische, immer wiederkehrende (repetitive) Extrembelastung der Beugesehnen (Sehnenscheiden). Betroffen sind oftmals Kletterer, Turner, Ruderer oder Gewichtheber und Bodybuilder. Diese extremen Belastungen können zu einem Ödem des Gleitgewebes führen. Erster Hinweis ist das Auftreten von Beschwerden nach starker Belastung durch ein Training, wobei die Beschwerden nach einigen Stunden wieder von selbst verschwunden sind. Oftmals hält dieser Zustand mehrere Monate an. Nicht selten ist durch eine Sportpause und physikalische Therapie keine wesentliche Besserung zu erzielen.

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Meine Erfahrung: Durch einseitiges, oftmals sehr intensives Training fehlt der Ausgleich, sprich die Bewegungsvielfalt. Mehr dazu erkläre ich noch beim Thema Therapie. Durch histologische Untersuchungen (nach Operationen) des Beugesehnengleitgewebes wurde oft ein ödematös (Schwellung) aufgelockertes Fasergewebe nachgewiesen. Dieses veränderte Gewebe engt durch Volumenzunahme den Karpaltunnel ein.

Symptome verschiedener Stadien

  1. Am Anfang der Entstehung eines Karpaltunnelssyndroms sind die Beschwerden diffus und nicht klar zuordenbar. Die Beschwerden treten nur ab und zu auf.
  2. Zu den gelegentlichen Symptomen kommen Taubheitsgefühl und Missempfingungen hinzu. Klassischerweise sind die Finger 1 bis 3 betroffen und die radiale Seite (daumenseitig) des Ringfingers. Das Einschlafen der Finger, das Pelzigkeitsgefühl und das Kribbeln treten zeitweise (intermittierend) auf.
  3. Im dritten Stadium wacht der Patient häufig nachts wegen brennenden, stechenden Schmerzen und/oder kribbeln auf. Die Symptome lassen sich jedoch rasch reduzieren oder eliminieren durch Schütteln, Massieren der Hand oder durch Positionsänderungen des Armes. Manche meiner Patienten helfen sich, indem sie die Hand aus dem Bett hängen lassen.
    Eine weitere Verschlechterung in diesem Stadium ist, dass Schmerzen und Parästhesien (Missempfindungen) während des Tages auftreten. Oftmals ist das Taubheitsgefühl konstant vorhanden. Die Hand ist deutlich schwächer und die Finger fühlen sich steif und geschwollen an. Der Patient gibt in dieser Phase Symptome wie ein Schwitzen der Hand oder auch ein Kältegefühl an. Schwere- und Schwellungsgefühl kommt dazu. Eine Hypästhesie (vermindertes Gefühl) führt zu einer Störung der dreieinhalb radialseitigen Finger. Diese Einschränkung führt zu einer Störung der Feinmotorik. Patienten berichten oftmals, dass sie immer wieder Gegenstände (Tassen) fallen lassen. In dieser Phase können die Schmerzen in den Unterarm bis zur Schulter ausstrahlen.
    Motorische Schwäche ist v. a. in der Daumenballenmuskulatur lokalisierbar. Das Abspreizen und das Opponieren (Daumen bewegt zum Kleinfinger) sind in der Kraft eingeschränkt.
  4. Im vierten Stadium sieht man Veränderungen in der Daumenballenmuskulatur – Atrophie (Muskelschwund). In diesem Stadium sind sensible, motorische und trophische Ausfälle erkennbar. (Eine trophische Störung ist eine funktionelle und strukturelle Gewebeveränderung, die durch eine mangelnde Ernährung hervorgerufen wird).

Meist beginnt das Karpaltunnelsyndrom mit sensiblen Störungen wie Parästhesien (Missempfindungen), Schmerzen und Hypästhesien (die Sensibiliät ist herabgesetzt). Warum beginnt das Karpaltunnelsyndrom meist mit sensiblen Störungen? Der Grund ist, dass die dickeren Fasern der sensiblen Bahnen oberflächlich im Nerv liegen und somit zuerst von der Kompression betroffen sind. Starke Beanspruchungen oder immer wiederkehrende Bewegungen des Handgelenkes provozieren lokale Schwellungen, die den Nerv komprimieren. Da aufgrund der anatomischen Verhältnisse der Karpaltunnel eng ist, kann diese Schwellung nicht ausweichen. Es kommt zu einer venösen Abflussbehinderung. Diese Abflussbehinderung sorgt wiederum für einen Stau, der den Nerv weiterhin komprimiert. Nun liegt ein Circulus vitiosus (Teufelskreis) vor. Doch was kann man dagegen tun?

In der nächsten Woche geht es um die individuelle Diagnose und die mögliche Therapie des Karpaltunnelsyndroms.

Bleiben Sie gesund und neugierig!

Ihr Hubert Brüderlein

Grafikquelle: https://de.123rf.com/ © corbacserdar, © chaiyon021

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