Schmerzen durch Schmerztabletten?

Medikation Teil 03: Wenn die Indikation zur Nebenwirkung wird

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Liebe Leserinnen und Leser,

Schmerzen sind ein Massenphänomen mit teils gefährlichen Folgen. Medikamente spielen in unserem Leben eine fast alltägliche Rolle – oft zu unserem Schaden. Ein halbes Dutzend Wirkstoffe gegen Schmerzen sind frei verkäuflich. Der schnelle Griff zur Tablette löst die Probleme oft nicht und schadet mehr, als viele Laien glauben. Was den wenigsten Patienten bewusst ist: Werden Analgetika (Schmerzmittel) zu oft eingenommen, lösen sie selbst Schmerzen aus. Jeder zehnte Kopfschmerzpatient leidet aus diesem Grund unter Dauerschmerz. Ein absurder Teufelskreis.

Eine der renommiertesten Kopfschmerz-Kliniken in Deutschland ist in Kiel. Der Leiter dieser Klinik, Prof. Hartmut Göbel, hat einmal ausgerechnet, dass in Deutschland für Schmerzmittel in Apotheken mehr ausgegeben wird als für Brot beim Bäcker. Tatsächlich geben die Deutschen für rezeptfrei verfügbare Schmerzmittel jährlich rund 900 Millionen Euro aus.

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Das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Uni Bern hat eine Metaanalyse von insgesamt 31 Studien zu Nebenwirkungen häufiger Medikamente vorgelegt. Darunter waren die Wirkstoffe Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Die Autoren um Peter Jüni haben die Risiken für Herzinfarkt und Schlaganfall untersucht. Bei 11.429 Patienten fanden sie 554 Herzinfarkte und 377 Schlaganfälle. Peter Jüni wurde auf Nachfrage deutlich: „Es ist höchst wahrscheinlich, dass die Medikamente das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall um den Faktor 2 bis 4 erhöhen.“ Das ist beträchtlich, besonders für ältere Menschen mit vorgeschädigten Blutgefäßen kann dies eine Gefahr bedeuten. Im Rahmen der Umfrage „Gläserne Schule“ fand Professor Göbel heraus, dass bis zu 40 Prozent aller Schüler in Schleswig-Holstein über Kopfschmerzen klagten und Schmerzmittel einnahmen.

In der Vorbereitung eines neuen Vortrages zum Thema „Gesundes Laufen“ habe ich viele Artikel recherchiert. Was mich erschreckt hat, waren die Aussagen von Hobbymarathonläufern: 50 bis 80 Prozent der Marathonläufer gaben an, präventiv vor dem Start Schmerzmittel eingenommen zu haben. Es gibt noch mehr alarmierende Zahlen – aber auch aktive Wege ohne Medikamente aus dem Schmerz, von denen ich kommende Woche berichten werde.

Bleiben Sie gesund und neugierig!

Ihr Hubert Brüderlein

Grafikquelle: https://de.123rf.com/ © antoniodiaz, © tommaso79

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